HIV & AIDS

Die HIV-Infektion

 

Sowohl in Deutschland als auch international leben immer mehr Menschen mit einem positiven HIV-Befund oder AIDS. Dies hängt allerdings nicht nur mit Neuinfektionen zusammen, sondern auch mit besseren und flächendeckenderen Möglichkeiten der Diagnose und Therapie, wodurch die Zahl an AIDS-bedingten Todesfällen gesenkt werden konnte.

Weltweit1

  • sind derzeit 36,9 Millionen Menschen HIV-positiv und/oder an AIDS erkrankt, davon 25,8 Millionen in Afrika südlich der Sahara
  • haben sich im Jahr 2014 etwa 2 Millionen Menschen neu mit dem
    HI-Virus infiziert
  • finden zwei Drittel aller Neuansteckungen in Afrika südlich der Sahara statt

In Deutschland 2

  • sind derzeit ca. 83.000 Menschen
    HIV-positiv und/oder an AIDS erkrankt, davon ca. 68.000 Männer und 15.000 Frauen
  • betreffen ca. 54.000 Fälle homosexuelle Männer, 10.500 heterosexuelle Menschen und ca. 8.000 Menschen, die intravenös Drogen verwenden.
  • haben sich im Jahr 2014 etwa 3.000 Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert
HIV-Infektion Afrika

Schon gewusst?

"In Deutschland leben rund 13.000 HIV-positive Menschen, deren Infektion noch nicht diagnostiziert ist.2"

Trotz der Gefährlichkeit ist das HI-Virus schwer übertragbar. Das HI-Virus ist also wesentlich weniger ansteckend als beispielsweise Windpocken oder das Hepatitis-B- oder -C-Virus. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe:

  • es muss eine hohe Menge von HI-Viren in Blut, Sperma, oder Vaginalsekret gelangen, um eine Ansteckung hervorzurufen
  • das HI-Virus ist sehr empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen und außerhalb des Körpers nur sehr kurz lebensfähig

Bei einem Menschen, der mit dem
HI-Virus infiziert ist, befinden sich die Viren in verschiedenen Körperflüssigkeiten:

  • Samenflüssigkeit (= Sperma)
  • Blut
  • Scheidenflüssigkeit
  • Menstruationsblut
  • Flüssigkeit in der Darmschleimhaut
  • Muttermilch

Das HI-Virus kann daher grundsätzlich übertragen werden, wenn eine Körperflüssigkeit, die eine hohe Menge HI-Viren enthält, in den Körper eines anderen Menschen gelangt. Da in Blut und Sperma die Virusmenge am höchsten ist, sind die wesentlichen Übertragungswege:

  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr
    • Analverkehr: Am risikoreichsten, da die Darmschleimhaut leicht HI-Viren aufnehmen kann und auch viele HI-Viren enthält
    • Vaginalverkehr: Durch kleine, nicht spürbare Verletzungen der Scheidenschleimhaut kann das
      HI-Virus aus dem Sperma ins Blut der Frau gelangen
    • Oralverkehr: Birgt ein Risiko, wenn infiziertes Sperma oder Menstruationsblut in den Mund der Partnerin/des Partners gelangt
  • Gemeinsame Benutzung von Spritzen und Nadeln bei Drogenabhängigen
  • Übertragung auf das Kind (Ungeborene/Neugeborene)

Außerdem ist das Risiko, sich und andere mit HIV anzustecken, bei anderen sexuell übertragbaren Infektionen (= Geschlechtskrankheit) wie
Herpes genitalis, Hepatitis B, Hepatitis C,
Humane Papillomaviren (HPV), Gonorrhö (= Tripper), oder Chlamydien, erhöht. Denn die Schleimhäute werden durch Entzündungen durchlässiger für das HI-Virus, und umgekehrt enthalten entzündete Schleimhäute besonders viele HI-Viren.

Früher war auch eine Ansteckung über infizierte Blutkonserven bei einer Bluttransfusion möglich. Seit der Einführung moderner Testmethoden ist die Gefahr einer Übertragung von HIV durch eine Bluttransfusion jedoch äußerst gering.

HIV kommt zwar auch in Urin, Kot, Speichel, Schweiß und Tränen vor, aber in sehr geringer Menge, die für eine Ansteckung nicht ausreicht. Beim Küssen, Händedruck, Anhusten oder dem gemeinsamen Benutzen von Geschirr oder Handtüchern besteht daher keine Ansteckungsgefahr.

Wissen Übertragung HIV und AIDS

Schon gewusst?

Nahezu 90% aller HIV-Infektionen werden beim ungeschützten Sex übertragen.

Anders als Bakterien haben Viren allgemein keinen eigenen Stoffwechsel. Viren können sich daher nicht selbst vermehren, sondern brauchen dafür die Zellen eines anderen Lebewesens, so genannte Wirtszellen vor allem Eiweißstoffe (=Enzyme), wie beispielsweise Zellen des Menschen. Das HI-Virus ist kugelförmig und sehr klein: Auf einem Millimeter hätten 10.000 HI-Viren in einer Reihe Platz. Das Virus besteht aus

  • einer äußeren Hülle, in der wie Stecknadeln die Andockstellen für die Verbindung mit der Wirtszelle sitzen
  • einer inneren Kapsel mit der Erbinformation des Virus
  • verschiedenen Werkzeugen für die Virusvermehrung in der Wirtszelle, vor allem Eiweißstoffe (=Enzyme) wie

Die Bezeichnung „menschliches Immunschwäche-Virus“ zeigt ja schon, warum das Virus so gefährlich ist: Es schädigt die körpereigene Abwehr, medizinisch auch Immunsystem genannt.

Das Immunsystem ist die „Schutzpolizei“ des Organismus. Sie besteht aus vielen verschiedenen Spezialeinheiten in Form von Zellen, die zusammen dafür sorgen, dass von außen in den Körper eingedrungene Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Pilze unschädlich gemacht werden. Das „Oberkommando“ dieser „Körperpolizei“ hat dabei eine spezielle Form von weißen Blutkörperchen, die so genannten
T-Helferzellen (auch als CD4-Zellen bezeichnet).

Die T-Helferzellen sind das bevorzugte Ziel des HI-Virus - also seine Wirtszellen:

  • Nachdem es ins Blut gelangt ist, dockt das Virus an den T-Helferzellen an.
  • Anschließend wird das Virus von der T-Helferzelle vollständig aufgenommen, die T-Helferzelle ist nun mit dem HI-Virus infiziert.
  • In einem weiteren Schritt löst sich die Virushülle auf und die Erbinformation des Virus wird in der T-Helferzelle frei gesetzt.
  • Die Reverse Transkriptase übersetzt anschließend die virale Erbinformation von RNA in DNA. Mit Hilfe der Integrase wird die neu übersetzte DNA in das Genom der Wirtszelle eingefügt. Die Wirtszelle, also die T-Helferzelle, wird nun gezwungen, massenhaft neue Virenbestandteile herzustellen. Mit der Protease werden diese Bestandteile zu neuen HI-Viren zusammengesetzt, die die T-Helferzelle verlassen und jetzt weitere
    T-Helferzellen infizieren. Durch die Vermehrung der HI-Viren stirbt die
    T-Helferzelle ab.

Die Folge: Es gibt immer mehr HI-Viren und immer weniger T-Helferzellen. Ohne Behandlung kann das so geschwächte Immunsystem den Körper immer weniger gegen Krankheitserreger schützen. Die Patienten sind nun anfälliger für Infektionskrankheiten, mit denen ein gesundes Immunsystem problemlos fertig werden würde.

Doch dank moderner Therapien muss es heute nicht mehr so weit kommen. Die Medikamente hemmen die Vermehrung der HI-Viren im Körper und halten damit die Schwächung des Immunsystems auf. Die Zahl der T-Helferzellen steigt wieder an. Damit wird erreicht, dass die AIDS-Krankheit sehr viel später oder möglicherweise nie ausbricht. Geheilt werden kann die HIV-Infektion jedoch nach wie vor nicht, denn es ist bisher nicht gelungen, die HI-Viren vollständig aus dem Körper zu entfernen.

 Dauer Infektion HIV

Schon gewusst?

Vom Andocken des HI-Virus an die T-Helferzelle bis zum Einbau der viralen Erbinformation vergehen etwa zehn Stunden.