Leben mit HIV

Kinderwunsch & Schwangerschaft

 

Mit rund 75% erfolgt bei Frauen in Deutschland die Mehrzahl der HIV-Neuinfektionen im Alter zwischen 20 und 39 Jahren.1 Also genau in dem Alter, in dem oftmals der Wunsch besteht, eine Familie zu gründen.

Was zu Beginn der HIV-Epidemie undenkbar war, ist dank moderner Medikamente für HIV-positive Menschen heute realisierbar geworden: Ein gesundes, nicht HIV-infiziertes Kind zu bekommen, trotz HIV-Infektion der Mutter oder des Vaters. Voraussetzung dafür ist eine umfassende Beratung und Betreuung durch Ärzte, die auf Kinderwunsch bei HIV-Patienten spezialisiert sind.

Grundsätzlich müssen bei HIV-betroffenen Paaren Besonderheiten in Bezug auf die Zeugung und die Gesundheit des Kinds berücksichtigt werden.

Daraus ergeben sich drei unterschiedliche Situationen2:

  • Ist der Mann HIV-positiv, muss der Infektionsschutz der HIV-negativen Partnerin berücksichtigt werden.
  • Ist die Frau HIV-positiv, muss neben dem Infektionsschutz des HIV-negativen Partners auch das Infektionsrisiko des Kindes berücksichtigt werden.
  • Sind beide Partner HIV-positiv, muss das Infektionsrisiko des Kindes ebenso berücksichtigt werden wie die etwaige Vermeidung der Übertragung resistenter Viren zwischen den Partnern.

Bei der Zeugung geht es darum, eine Ansteckung mit dem HI-Virus des HIV-negativen Partners oder der HIV-negativen Partnerin zu verhindern. Ob für Sie eine Zeugung auf natürlichem Weg — also durch Geschlechtsverkehr — ohne die Gefahr der Ansteckung möglich ist, müssen Sie im Gespräch mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin klären.

Andernfalls gibt es zwei weitere Möglichkeiten, die eine Ansteckung des jeweiligen Partners bei der Zeugung zuverlässig verhindern:

  • Ist die Frau HIV-positiv, kann die Zeugung durch künstliche Befruchtung mit dem Sperma des Mannes erfolgen.
  • Ist der Mann HIV-positiv, wird der Samenerguss (= Ejakulat) mit einer speziellen Methode im Labor so gereinigt, dass nur nicht HIV-infizierte Spermien übrig bleiben. Anschließend führt man bei diesen Spermien wiederholt einen HIV-Test durch. Ist dieser negativ, kann die Frau künstlich befruchtet werden. Dieses Verfahren gilt als sehr sicher.

Prinzipiell kann das HI-Virus während der Schwangerschaft, während der Geburt und durch das Stillen von der HIV-positiven Mutter auf das Kind übertragen werden. Ohne Therapie der Mutter liegt das Risiko dieser so genannten Mutter-Kind-Übertragung während der Schwangerschaft, also in der Gebärmutter, bei schätzungsweise 7%.2 Kurz vor oder während der Geburt wird das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 18% angesteckt. Beim Stillen erfolgt eine Übertragung des HI-Virus in etwa 15% der Fälle.
Das Ansteckungsrisiko kann heute durch verschiedene Maßnahmen in fast allen Fällen verhindert werden. Voraussetzung dafür ist, dass die HIV-Infektion der Mutter bekannt ist. Deswegen ist der HIV-Test in der Schwangerschaft so wichtig.

Zu den Maßnahmen, die eine Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind verhindern, gehören vor allem:

  • regelmäßige Einnahme von HIV-Medikamenten während der Schwangerschaft
  • regelmäßige und engmaschige Untersuchungen beim Frauenarzt und in der HIV-Schwerpunktpraxis oder HIV-Ambulanz
  • Die Art der Entbindung hängt von der Höhe der Viruslast am Ende der Schwangerschaft ab: Bei > 50 Kopien/ml wird ein Kaiserschnitt empfohlen, bei < 50 Kopien/ml eine natürliche Geburt.3
  • Verzicht aufs Stillen
  • vorbeugende Behandlung des Kindes nach der Geburt mit HIV-Medikamenten über 2-4 Wochen3

Damit lässt sich die Infektionsrate bei den Kindern auf 1% bis 2% reduzieren.

Auf jeden Fall! Das gilt wenn:

  • Ihre HIV-Infektion schon vor der Schwangerschaft bekannt war und Sie bereits eine HIV-Therapie erhalten
  • Ihre HIV-Infektion erst durch den HIV-Test während der Schwangerschaftsvorsorge entdeckt wurde

Denn es ist bekannt, dass Mütter mit hoher Viruslast und/oder niedrigen T-Helferzellen das HI-Virus häufiger auf ihre Kinder übertragen.2 Also ist Ihre HIV-Therapie nicht nur für Sie, sondern auch für Ihr Kind wichtig. Kurz gesagt: Ziel der Behandlung in der Schwangerschaft ist die Hemmung der Virusvermehrung bei der Mutter und zugleich eine wirksame Vorbeugung der HIV-Übertragung auf das Kind bei möglichst guter Verträglichkeit der Medikamente für die Schwangere und das ungeborene Kind.

  • Wenn Sie bereits Medikamente gegen die HIV-Infektion erhalten und schwanger werden, nehmen Sie die Medikamente zunächst wie verordnet auf alle Fälle weiter. Besprechen Sie baldmöglichst mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin, ob diese Medikamente auch in der Schwangerschaft geeignet sind oder ob der Therapieplan möglicherweise geändert werden muss.
  • Für HIV-positive Schwangere gelten die gleichen Behandlungsempfehlungen wie für nichtschwangere Erwachsene: bei einer T-Helferzellzahl von 500 pro µl Blut oder darunter soll eine HIV-Therapie erfolgen.3,4 Sprechen Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin, welche Medikamente zum Einsatz kommen können. Der Arzt entscheidet, wann mit der Behandlung begonnen wird und welche Medikamente zum Einsatz kommen.
Künstliche Befruchtung mit HIV

Schon gewusst?

Seit Mitte des Jahres 2010 haben auch HIV-positive Partner das Recht, die künstliche Befruchtung als Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch zu nehmen, wenn die gesetzlich geregelten Voraussetzungen erfüllt sind.