Leben mit HIV

Sexualität

 

Neben Fragen zur Therapie, Alltag, Beruf, Familie kommt irgendwann auch der Gedanke: HIV und Sex — geht das (noch)?

Absolut. Eine HIV-Infektion ist kein Grund, auf eine erfüllende und befriedigende Sexualität zu verzichten. Das gilt sowohl für eine feste Partnerschaft als auch beim neu Kennenlernen und Verlieben. Denn die Maßnahmen des „Safer Sex“ — sinngemäß „geschützter Sex“ — schützen Ihre Partnerin/Ihren Partner sehr wirksam vor einer Ansteckung (siehe Prävention).

Als verantwortungsbewusster Mensch informieren Sie Ihren Sexualpartner über Ihre HIV-Infektion und halten sich an diese Safer-Sex-Regeln. Abgesehen davon, dass sich HIV-Infizierte in Deutschland strafbar machen, wenn sie ungeschützten Sex haben und der Partner beziehungsweise die Partnerin nichts von der Infektion weiß.

Vermutlich werden die ersten sexuellen Kontakte nach dem positiven HIV-Test nicht gerade entspannt ablaufen. Lassen Sie sich Zeit und seien Sie geduldig, auch mit sich selbst. Die meisten Paare berichten, dass sie nach einiger Zeit gut mit der Situation zurecht kommen.

Die wichtigsten Regeln des Safer Sex sind:

  • Schützen Sie sich beim vaginalen und analen Geschlechtsverkehr mit Kondomen
    • Verwenden Sie beim Analverkehr extra starke Kondome mit erhöhter Wanddicke und zusätzlich fettfreie Gleitmittel auf Basis von Wasser und Silikon, damit das Kondom durch die höhere mechanische Beanspruchung nicht reißt.
  • Lassen Sie beim Oralverkehr kein Sperma oder Menstruationsblut in den Mund gelangen.
  • Für HIV-Positive gilt: die Anwendung einer antiretroviralen Therapie ist wichtig, da sie das Übertragungsrisiko deutlich senkt. Die Zwischenauswertung einer laufenden Studie an serodiskordanten Paaren(= Paare, von denen ein Partner HIV-positiv, der andere HIV-negativ ist), deutet darauf hin, dass eine erfolgreiche HIV-Therapie den HIV-negativen Partner beim ungeschützten Geschlechtsverkehr vor einer HIV-Infektion schützt.1

    Der Einsatz von Kondomen ist jedoch für den Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten sinnvoll!

Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass ein Kondom reißt oder abrutscht. Das ist kein Grund zur Panik, denn Sie können einiges tun, um mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Ansteckung mit dem HI-Virus zu verhindern. Sofortmaßnahmen sind1:

  • Nach ungeschütztem eindringendem Geschlechtsverkehr sollte der Penis unter fließendem Wasser mit Seife gewaschen werden. Dazu die Vorhaut zurückziehen, und die Eichel sowie Innenseite der Vorhaut reinigen.
  • Eine Scheiden- oder Darmspülung nach ungeschütztem aufnehmendem Geschlechtsverkehr kann nicht empfohlen werden, da nicht ausreichend Daten dazu vorhanden sind.
  • Nach der Aufnahme von Sperma in den Mund soll die Samenflüssigkeit möglichst umgehend und vollständig ausgespuckt werden. Spülen Sie danach die Mundhöhle vier- bis fünfmal kurz (etwa 15 Sek.) mit Wasser.
  • Wenn Samenflüssigkeit ins Auge gelangt, spülen Sie das Auge sofort mit Wasser aus.
  • Informieren Sie auf jeden Fall schnellstmöglich Ihren behandelnden Arzt über den "Unfall". Die Ärzte entscheiden, ob eine so genannte HIV Post-Expositions-Prophylaxe, kurz HIV-PEP, sinnvoll ist.

    Die HIV PEP ist eine vorbeugende, kurzfrisitge Behandlung mit einer HIV-Therapie über einen kurzen Zeitraum, um nach dem möglichen Kontakt mit dem HI-Virus eine Ansteckung zu verhindern.

Informieren Sie auf jeden Fall sofort Ihren behandelnden Arzt/Ihre Ärztin über den „Unfall“. Die Ärzte entscheiden, ob eine so genannte HIV-Post-Expositions-Prophylaxe, kurz: HIV-PEP, sinnvoll ist.

Die HIV-PEP ist eine vorbeugende, kurzfristige Behandlung mit einer HIV-Therapie über einen kurzen Zeitraum, um nach dem möglichen Kontakt mit dem HI-Virus eine Ansteckung zu verhindern.

Die HIV-PEP besteht aus einer Kombination von drei HIV-Medikamenten, die über vier Wochen eingenommen wird. Wichtig ist, dass die HIV-PEP möglichst schnell nach dem Risikokontakt begonnen wird. Die besten Ergebnisse sind bei Beginn innerhalb von 24 Stunden, besser noch innerhalb von zwei Stunden zu erwarten.1 Liegen mehr als 72 Stunden zwischen dem Risikokontakt und dem Beginn der HIV-PEP, ist keine Schutzwirkung mehr gegeben.

Eine HIV-PEP wird in der Regel angeboten für medizinisches Personal nach Kontakt mit infektiösem Agens, sowie nach ungeschütztem Vaginal- oder Analverkehr mit einem/einer HIV-positiven Sexualpartner/in mit nachweisbarer oder unbekannt hoher Viruslast.
Zu Beginn der HIV-PEP sowie nach sechs Wochen und anschließend nach drei und sechs Monaten wird ein HIV-Test durchgeführt. Fällt auch der letzte HIV-Test negativ aus, hat man sich sicher nicht angesteckt.

Die HIV-PEP ist eine absolute Notfallmaßnahme, kann wie jede HIV-Therapie Nebenwirkungen hervorrufen und ist daher in keinem Fall eine Alternative zum Kondom!

Ob eine HIV-PEP sinnvoll ist, entscheidet der Arzt/die Ärztin im speziellen Einzelfall nach einem Beratungsgespräch in der Ambulanz oder Praxis. Das Verzeichnis der Kliniken, die über 24 Stunden eine HIV-PEP vorhalten, bekommen Sie hier.

Schutzeffekt HIV-PEP

Schon gewusst?

Der Schutzeffekt einer HIV-PEP wird auf ca. 80% geschätzt.

Die „Pille“ gilt normalerweise als die sicherste Verhütungsmethode. Dies kann sich jedoch leider ändern, wenn Sie als HIV-positive Frau außer der Pille im Rahmen der antiretroviralen Therapie, abgekürzt ART, dann auch noch HIV-Medikamente einnehmen müssen. Das liegt daran, dass sich die Pille, die ja auch ein Medikament ist, und die Medikamente der HIV-Therapie gegenseitig beeinflussen können. Diese Beeinflussung nennt man Arzneimittel-Wechselwirkung, der Mediziner spricht von Interaktion.

Viele HIV-Medikamente beeinflussen die Wirkung der Pille, indem sie sie verstärken oder abschwächen. Das kann sogar soweit gehen, dass die Pille gar nicht mehr wirkt, und die Verhütung damit nicht mehr sicher ist. Einige HIV-Medikamente beeinflussen die Wirksamkeit der Pille dagegen nur wenig oder gar nicht.

Sie sehen: Das Thema Schwangerschaftsverhütung unter HIV-Therapie ist oft nicht ganz so einfach. Lassen Sie sich daher von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin beraten, welche Möglichkeit der Verhütung die für Sie beste ist.